Sundheimer Hühner

Im Frühjahr 2016 haben wir Sigi Ochsenschläger kennengelernt. Er hat sich bereit erklärt, für uns eine Aufgabe zu übernehmen, die wir seit Bestehen unseres Unternehmens zu vergeben versuchen: Die Rettung der alten badischen Hühnerrasse „Sundheimer“. Die Chemie zwischen uns hat sofort gestimmt. Und der Tatendrang auch: Ende Juli schlüpfen die ersten 50 Küken. Im November werden wir die ersten Sundheimergockel in unserem Restaurant servieren. Ab Ostern 2017 sollen Sie das Sundheimer Huhn in allen Formen in unserem Restaurant und in unserer Ladentheke vorfinden.

Die Problematik des modernen Huhnes

Das Huhn, einfachstes landwirtschaftliches Nutztier und Standardzutat der europäischen Küche, ist in Gefahr. – Nicht jedes Huhn natürlich, aber das schmackhafte, geschätzte, robuste, gesunde und regionale Diversifizierung darstellende Huhn.
Die deutsche Hühnerzucht beschränkt sich für die Lebensmittelproduktion auf wenige Hybridrassen.
Hybridrassen sind stark. – Weil sie viele Eier, beziehungsweise schnell wachsendes Fleisch liefern; – Und sie sind schwach, weil sie keinem bestimmten Ökosystem angepasst, kein Resultat der natürlichen Auslese, sind.
Ihre Stärke wird Ihnen zum Verhängnis: Männliche Küken der Legehennenrassen werden geschreddert oder vergaßt. Die Tiere für die Fleischproduktion können zum Zeitpunkt Ihrer Schlachtung unter der Last ihres Brustkorbes, der zukünftigen Hähnchenbrustfilets, kaum laufen.
Präventiver Einsatz von Antibiotika, das „Brudersterben“, Massentierhaltung als Notwendigkeit für Wirtschaftlichkeit und die generelle Entfremdung zwischen Esser und Gegessenem sind als Gesprächsthemen in die Mitte der Gesellschaft vorgerückt. Hinzu kommt die Sehnsucht nach einem Huhn, dass auch nach Huhn schmeckt. Doch die industrialisierte Agrarwirtschaft, in diesem Fall die Geflügelzucht, ist zu großstrukturiert, um sich kurzfristig zu verändern. Uns dauert das alles zu lange.

IMG_3569

Das Zweinutzungshuhn

Das Zwiehuhn, Zweinutzungshuhn, regionale, alte Hühnerrassen, können Eier legen und Fleisch ansetzen. Von beidem nicht so viel wie Hybridhühner, aber insgesamt können sie doch mehr:

Regional gezüchtete Zwiehühner liefern nicht nur Eier und Fleisch, sondern Widerstandsfähigkeit gegen örtliche Krankheiten, einen notwendigen Genpol für den Fall einer Epidemie, das Ende der Vernichtung von männlichen Küken, Identifikation mit regionaler Landwirtschaft, dass Sich-Wieder-Annähern von Verbrauchern und ihren Lebensmitteln, lokale Absatzmärkte für Landwirte und damit mehr Gewinnbeteiligung, eine reichhaltigere regionale Gastronomiekultur und: Das Gewähren eines universellen Rechtes:  Das Recht auf Genuss.  

 

Iss, was du erhalten möchtest.

Das Motto der Slow Food – Arche des Geschmacks klingt paradox, ist aber nur logisch: Nur Tierrassen, die auch einen Markt haben, werden gezüchtet. Nur Gemüse, dass auch gekauft wird, wird angebaut. Das Sundheimer Huhn ist 2014 in die Arche des Geschmacks aufgenommen worden. Als Gastronomen sehen wir uns verpflichtet, eine Haustierrasse, die vom Aussterben bedroht ist, durch unsere Nachfrage zu retten. Unsere Gäste erhalten durch diese Entscheidung ein schmackhafteres Geflügelfleisch und das Wissen, dass Sie ein sinnstiftendes Lebensmittelsystem unterstützen.

die Hühnerwiese

Hier leben unsere Hühner.

Ist das nicht elitär?

Die Eier und das Fleisch von Zwiehühnern kosten mehr als die Alternativen beim konventionellen Diskounter. Aber sie müssen nicht mehr kosten, als ihre Äquivalente im Biomarkt. Durch regionale Wirtschaftsstrukturen können Zwischenhändler minimiert werden.

Zudem ist es möglich, dass Zusatzkosten, die Landwirten für die Ausrichtung auf Zweinutzungshühner anfallen, durch EU-Agrar-Mittel rückerstattet werden.

Diese Details werden sich in den nächsten Monaten noch klären. Wichtig ist es an dieser Stelle erstmal, dass Sie, als unser Gäste, uns signalisieren, dass Sie unser Hühnerprojekt unterstützen. Wir freuen uns über Ihr Feedback.

 

Mehr zu diesem Thema aus der Presse

Die Süddeutsche Zeitung hat einen Artikel über unser Projekt geschrieben: Eierlegender Sonntagsbraten, vom 20.07.2016.

Ein allgemeiner Beitrag auf SWR2 über die Lage des Geflügels in Deutschland: Kükentötung und die schwierige Suche nach Alternativen, vom 19.05.2015.